ich still wo ich will - Stuttgart Edition
Man könnte ja meinen, wir leben im Jahr 2026, in einer offenen und aufgeklärten Gesellschaft. Naja. Könnte man meinen.
Ich lebe so in meiner Bubble aus Geburt, Wochenbett, Stillberatung, Hebammenarbeit, Doulaarbeit und so weiter. Und bin selbst Mama, die ihren Sohn drei Jahre lang immer und überall gestillt hat. Für mich ist Stillen in der Öffentlichkeit also absolut normal und keine Frage. Ein Kind wird gestillt, wo es Hunger hat oder Nähe braucht.
Für manche ist das auch 2026 noch eine Frage. Oder eigentlich keine. Denn einige sind der Meinung, Stillen gehöre nicht in die Öffentlichkeit.
Was in Saarbrücken passiert ist
So zum Beispiel der Mitarbeiter eines Einkaufszentrums in Saarbrücken, der Ende Mai eine stillende Mutter genau daraus herauskomplimentierte. Um es freundlich auszudrücken.
Ich still wo ich will: eine Bewegung bekommt Aufwind
Daraufhin entstanden in ganz Deutschland Initiativen von Mamas und Fotograf*innen, die sich mitten in die Innenstädte setzten, um genau das zu tun, was selbstverständlich sein sollte: ihrem Kind Nahrung, Zuwendung und Geborgenheit geben. In der U-Bahn. Auf dem Marktplatz. Im Museum. An der Bushaltestelle.
Die bereits zuvor gegründete Initiative @ichstillwoichwill bekam massiven Aufwind. Und das Thema die Öffentlichkeit, die es leider immer noch braucht.
Auch in Stuttgart.
See us feed: unsere Aktion in Stuttgart
Gemeinsam mit @the.socialmomclub und der Stillberaterin Debora Engemann (@liebevoll.entspannt) habe ich am 24. Juni zwölf wundervolle Mamas mit ihren Babys und (Klein-)kindern fotografiert. Im Breuninger, in der Staatsgalerie, in der Stuttgarter Markthalle, auf dem Schlossplatz.
Wir wollen ein Zeichen setzen. Dafür, dass Stillen in der Öffentlichkeit nicht tabuisiert und nicht sexualisiert wird. Sondern das bleibt, was es ist: Nahrung. Liebe. Geborgenheit.
Stillen in der Öffentlichkeit ist erlaubt
Kurz zur Klarstellung, weil die Frage immer wieder kommt: In Deutschland ist Stillen in der Öffentlichkeit erlaubt. Es gibt kein Gesetz, das es verbietet, und keinen Grund, sich dafür in eine Ecke, auf eine Toilette oder unter ein Tuch zurückzuziehen. Niemand darf dich auffordern, damit aufzuhören.
Was bleibt, sind Blicke und Kommentare. Und dagegen hilft keine Decke. Dagegen hilft Sichtbarkeit. Je öfter stillende Frauen einfach da sind, im Café, in der Bahn, auf dem Schlossplatz, desto weniger wird es zum Ereignis.
Denn: ich still wo ich will.
Häufige Fragen
Ist Stillen in der Öffentlichkeit in Deutschland erlaubt?
Ja. Es gibt kein Gesetz, das Stillen in der Öffentlichkeit verbietet, auch nicht in Geschäften, Cafés oder öffentlichen Verkehrsmitteln.
Darf mich ein Geschäft auffordern, mit dem Stillen aufzuhören?
Ein Hausrecht besteht, eine Grundlage dafür gibt es nicht. Du darfst bleiben, wo du bist, und musst dich nicht rechtfertigen.
Was ist die Initiative Ich still wo ich will?
Eine Bewegung, die auf den Umgang mit stillenden Müttern aufmerksam macht. Mamas und Fotograf*innen setzen sich sichtbar in die Innenstädte und stillen dort gemeinsam.
Was war die Aktion See us feed in Stuttgart?
Eine Fotoaktion am 24. Juni, bei der zwölf Mütter mit ihren Kindern an öffentlichen Orten in Stuttgart beim Stillen fotografiert wurden. Beteiligt waren die Fotografin Katrin Monnerjahn, @the.socialmomclub und die Stillberaterin Debora Engemann.
Bilder vom Stillen sind wichtig, um das gesellschaftliche Bild zu verändern. Aber auch für dich. Für euch. Ich fotografiere die Stillbeziehung auch außerhalb solcher Aktionen. Bei euch zu Hause, im Wochenbett, im Alltag. Diese Nähe verschwindet schneller, als man denkt. Infos zu meiner Arbeitsweise und den Paketen bekommst du hier:
